Warum Forks schlecht sein können

Geschrieben von MMind am Montag, 29. November 2010 in Allgemein

Heute bin ich auf einen interessanten Aufsatz der LiMo-Foundation gestoßen. Dieser trägt den Titel "Mobile Open Source Economic Analysis" und versucht Vorteile der Nutzung von "Open Source"-Software quantitativ, wie immer als "Ersparnis", darzustellen.

Gedanken

Die LiMo-Foundation ist dabei eine Allianz, die von Motorola, NEC, NTT DoCoMo, Panasonic Mobile Communications, Samsung Electronics und Vodafone gegründet wurde. Also im Prinzip eine Herstellervereinigung.

In dieser Blickrichtung eines Herstellers finde ich die Erkenntnisse in Punkt 4.3 ab Seite 20 besonders interessant. Die zentrale Aussage ist, dass das "Forken", also abspalten von einem Open Source Projekt, unrentabel ist und Hersteller bedeutend besser fahren, wenn sie versuchen mit den Upstream-Projekten zusammenzuarbeiten und ihren Code dort unterzubringen. Grundlage dieser Aussage ist die Annahme dass sich freie Softwareprojekte immer weiterentwickeln, also keinen "fertig"-Zustand besitzen. Dies wird auch durch verschiedene Betrachtungen zur Entwicklung mehrer Projekte ganz am Anfang des Aufsatzes unterstützt.

Wenn nun ein Fork neuere Features des Upstream-Projektes nutzen möchte ist ein großer Aufwand nötig den separat gepflegten Code auf die Änderungen des Quellprojektes zu portieren, was sehr oft dazu führt, dass das zugrunde liegende Projekt niemals aktualisiert wird. Wenn hingegen der meiste Code direkt im Upstream-Projekt integriert ist, wird dieser bei Änderungen meist direkt mit angepasst, sodass sich der Wartungsaufwand auf lange Sicht sehr stark verringert. Diese langfristige Ersparnis wird aber mit etwas Mehraufwand erkauft, der nötig ist, um den Code soweit aufzubereiten, dass die Upstream-Entwickler bereit sind diesen in das Projekt aufzunehmen.

Im Oyo-Kontext betrachtet

Wie bereits im Ersteindruck zu den Kernel-Quellen beschrieben, hat der Oyo-Kernel genau das oben beschriebene Problem. Der original 2.6.21.5-Kernel ist fast 3 Jahre alt und aktuelle offizielle Kernel besitzen inzwischen auch schon länger Unterstützung für große Teile der S3C-Plattform.

Da sich aber der S3C-Code zwischen s3c-linux und dem offiziellen Kernel unterscheiden, scheuen die Betreuer vermutlich den oben beschriebenen ziemlich großen Aufwand des Upgrades. Es müsste ja zuerst herausgefunden werden welcher Code selber oder abgewandelter Form im offiziellen Kernel liegt und die restlichen Teile daran angepasst werden.

Da nun aber auch die Oyo-spezifischen Module ebenfalls auf dieser nicht-mainline S3C-Implementierung basieren wird die herstellerseitige Bereitschaft zum Upgrade noch weiter sinken, da der notwendige Aufwand damit noch weiter gestiegen ist.

Damit haben sich die Hersteller dann aber effektiv auch von allen anderen Verbesserungen des Kernel abgekoppelt. In den letzten 3 Jahren sind nun auch ein ganz paar Performance-Verbesserungen dazugekommen, die dem offiziellen Oyo nicht zur Verfügung stehen, auch wenn es gerade im Embeded-Bereich extrem sinnvoll wäre.

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Cross-compiling 101

Geschrieben von MMind am Donnerstag, 11. November 2010 in Allgemein

Das Kompilieren eines bootfähigen Kernels für ein "embedded"-System ruft immer wieder den Geist des Cross-Kompilierens auf den Plan. Dabei wird der Kernel nicht auf dem Zielsystem selbst, sondern auf einem anderen Host mit einer anderen Prozessor-Architektur erstellt.

Nun gibt es bereits dutzende Howtos zu diesem Thema, und trotzdem habe ich festgestellt, dass ich immer eine größere Menge Browser-Tabs benötige, bis ich die entsprechenden Informationen wieder zusammen habe. Deswegen sind die folgenden Punkte eher für mich zum Nachschlagen gedacht - aber vieleicht helfen sie später auch mal jemand anderem.

Mal sehen, ob das jetzt mit dem „Erweiterten Eintrag“ von Serendipity klappt …

"Cross-compiling 101" vollständig lesen

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Debian und ich!

Geschrieben von MMind am Montag, 8. November 2010 in Allgemein

Die GNU/Linux Distribution Debian ist nun schon viele Jahre mein Betriebssystem der Wahl. Während dieser Zeit habe ich bereits einige Programme für meinen privaten Gebrauch als Debian-Pakete verpackt. Durch meine Mitarbeit im Debian-FSO-Team, das sich mit Debian auf dem Openmoko-Freerunner beschäftigt, haben es auch einige meiner Pakete ins offizielle Debian geschafft.

Nachdem ich im Dezember 2009 bereits Debian-Maintainer geworden bin, war es heute nun soweit: Ich bin Debian-Developer.

Momentan sitze ich hier mit einem Grinsen im Gesicht – so ähnlich wie der Beetlebum-Jojo, nachdem er bei Arte erwähnt wurde.

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Was ist der Walled Garden

Geschrieben von MMind am Sonntag, 7. November 2010 in Allgemein

In den ersten Blog-Einträgen ging es bereits direkt um den Oyo, d.h. es fehlt noch der typische „Hallo Welt, hier soll dies und jenes passieren“-Eintrag. Ich werde also versuchen, meine Ziele für das Blog und mich persönlich in Worte zu fassen.

Heute zuallererst eine Begriffserklärung des sogenannten „Walled Garden“.

Damit bezeichnet man im allgemeinen eine Kombination von Hard- und Software, in der der Hardware-Anbieter gleichzeitig eine Kontrolle über die darauf laufende Software beziehungsweise die darauf nutzbaren Daten ausübt und der Benutzer meist nicht mehr komplett Herr seines Gerätes ist.

Beispiele dafür sind unter anderem Amazon mit dem Kindle und dem angeschlossenen Buchverkauf oder der ganze iKram, wo Software im Normalfall nur über den angeschlossenen „App-Store“ erworben werden kann, dessen Inhalte ebenfalls vom Hardwareanbieter kontrolliert und streng reglementiert werden.

Oft sind noch weitere Beschränkungen enthalten. So ist meist eine Funktion implementiert, die es dem Hardwareanbieter ermöglicht, aus der Ferne bestimmte Inhalte oder Programme zu entfernen oder auch das ganze Gerät zu deaktivieren. Beispielsweise hat Amazon bereits ein Buch [interessanterweise eine Ausgabe von „1984“] von Kindle-Geräten entfernen lassen. Auch ist es im allgemeinen nicht möglich, mit erworbenen Inhalten aus einem „Walled Garden“ in einen anderen oder gar auf die „grüne Wiese“ zu wechseln.

Ich selbst möchte um solche eingezäunten Bereiche einen möglichst großen Bogen machen. Mich interessieren hier Geräte, bei denen ich auch mal Dinge tun kann, die der Hersteller nicht vorgesehen hat.

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