Oyo 2 - Eindruck

Geschrieben von MMind am Dienstag, 29. November 2011 in Oyo

Heute war ich mal bei Thalia um mir das Drama den Oyo 2 anzusehen. Im Vorfeld geisterten ja bereits Berichte durch diverse Foren, in denen von ähnlichen Fehlern wie beim Vorgängermodell - zum Beispiel Abstürze und andere Hänger - berichtet wurde.

Das Gerät

Oyo 2 bei Thalia

Das Design des ersten Oyos wirkte auf mich irgendwie immer recht altbacken, wohingegen ich das glatte Design des Oyo 2 schon als relativ ansprechend empfinde. Dass das Gerät mit 260g recht schwer ist, die Tasten schwergängig sind und kaum einen Druckpunkt haben, wurde ja bereits an verschiedenen anderen Stellen geschrieben. Aber ich wollte ihn ja nicht kaufen und habe mich im weiteren auf die für mich interessanten Punkte hin untersucht:

Display

Das Display soll ja ein Sipix-Display der zweiten Generation sein und einen besseren Kontrast aufweisen. Auf den ersten Blick ist es auch tatsächlich ein Stück heller als der daneben hängende Oyo-3G. Aber auch das Display meines Asus eeeReaders war heller als das des Oyo 1.

Das Display schien auch etwas zügiger anzusprechen als das Vormodell (im im direkten Vergleich stellte sich dass dann aber als Trugschluss heraus), was man vom Rest der Software nicht behaupten konnte.

Dafür waren aber eine ganze Menge Ghosting-Effekte, also Überbleibsel der Vorseite nach einem Wechsel, zu sehen. Hier wäre mal interessant zu testen, wie sich das Display mit richtiger Software [aka Debian + X11 :-) ] verhalten würde, bzw. welche Modi der Ansprache es überhaupt unterstützt. In diesem Atemzug wäre zudem noch interessant welchen Display-Controller der Reader verwendet. Momentan sind mir der AUO-K1900 und -K1901, vom Hersteller der Sipix-Displays, bekannt, wobei der Oyo einen K1900 verwendet.

GPL-Compliance

Der Source-Release von Thalia für den ersten Oyo war ja zu keiner Zeit konform mit den Bedingungen die sich aus der GPL ergeben. Zum einen wurde erst mit mächtiger Verspätung und nach mehrmaligem Nachhaken überhaupt etwas veröffentlicht und zum anderen war diese Veröffentlichung extrem unvollständig, denn es wurde nur ein unvollständiger Quellcode für den Linux-Kernel und den U-Boot Bootloader veröffentlicht. Auf den Quellcode des WLan-Moduls, dass sich als GPL-lizensiert bezeichnet, warten wir heute noch.

Mit dem Oyo 2 hat Thalia aber scheinbar nichts dazu gelernt. Im Handbuch gibt es zwar am Ende eine URL, zum — man beachte die lustige Formulierung — »Quelltext der verwendeten GPL/LGPL«, diese verweist aber auf das Archiv des Oyo 1 Codes. D.h. entweder hat seit Ende 2010 kein Entwickler mehr den Kernelquelltext angefasst und der Oyo 2 verwendet exakt den selben Kernel wie der Oyo 1, oder der Link ist einfach verkehrt.

Versionsinformationen zu Uboot und Linux Kernel

Zweifel daran, dass seit dem Oyo 1 nichts am Kernel getan wurde ,kommen auch durch die Versionsinformationen, die der Oyo selbst von sich gibt. MD06SB10 ist definitiv nicht SG060B00, deutet aber darauf hin, dass Medion diesmal sein eigenes Kürzel bekommen hat und nicht eine Variante des Sagem-Readers verwendet.

Zusammengefasst, der »verlinkte« Code ist zu 99% nicht der Kernel des Oyo 2 und der Rest der GPL-Software fehlt immernoch bzw. wiedermal. Auch um die restlichen Bestimmungen der GPL kümmert sich wiedermal niemand - denn eigentlich ist das Downloadangebot immer nur eine zusätzliche Option und kann die Möglichkeit zur Datenträgeranforderung immer nur ergänzen.

Was im kommerziellen Umfeld dabei oft niemand bedenkt ist die Termination-Clause der GPL (GPLv2 §4 and GPLv3 §8 ). In der GPLv3 ist diese etwas freundlicher dem Verletzer gegenüber gestaltet und ermöglicht ein wiederherstellen der Lizenzrechte nach Ende der Verletzung. Da der Linux-Kernel aber exklusiv unter der GPLv2 steht ergeben sich weitere interessante Denkanstöße, den die GPLv2 sagt, dass bei Verletzungen der Lizenz alle Rechte die sich daraus ergeben (u.a. Vervielfältigung und Veränderung) erlöschen »until those rights are explicitly reinstated by the copyright holder«. D.h. der bzw. die Urheber müssen explizit zustimmen die Rechte der GPL widerherzustellen. Beim Linux-Kernel sind das weit mehr als 1000 Individuen :-) .

Thalias Lizenz für mindestens den Linux-Kernel ist eigentlich bereits beim Release des Oyo 1 erloschen, da bereits dort die Quellen für mindestens diesen Linux Kernel fehlten — ein nachträgliches Veröffentlichen hilft bei GPLv2-Software nicht. Das Vervielfältigen und Vertreiben von eben diesem Linux-Kernel auf dem Oyo 2 ist also essentiell eine sogenannte »Raubkopie«. Für ein Unternehmen, dass seine eigenen Waren mit einem DRM schützt um vermeintliche »Raubkopierer« fernzuhalten, ist dass schon irgendwie bedenklich.

Ein sehr lesenswerter Text zu diesem Thema ist übrigens A Practical Guide to GPL Compliance des Software-Freedom-Law-Centers.

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